Videospiele: Modernes Gehirntraining

„Dumm vom Zocken“ – das war einmal. Wie die Videospiele Starcraft 2 oder Overwatch unser Gehirn in vielen verschiedenen Bereichen trainieren.

Gestern noch eine Armee in die Schlacht geführt wie Napoleon. Heute kämpfen wir als Anti Terror Einheit, oder stürzen uns als Helikopterschütze in den Krieg. Das sind wir Gamer und morgen: Gamer mit einem größeren Gehirn.

Ende der 1990er Jahre: An der Universität von Rochester wird ein Forschungsprojekt zur Untersuchung unbekannter Eigenschaften des Gehirns gestartet. Daraus entsteht ein computerbasierter Test zur Messung mentaler Fähigkeiten. Diesen entwickelten Shawn Green und Daphne Bavelier. Shawn überprüft die Funktionen des Tests an sich selbst. Das Ergebnis: Er hat so gut abgeschnitten, dass er daran zweifelt.

Shawn Green arbeitet an der University of Wisconsin – Madison. Er spielt leidenschaftlich den  Ego – Shooter – MOBA Team Fortress (Grundaufbau von Overwatch). Sein Ziel: Ein Objekt unter Feindbeschuss von A nach B eskortieren, oder die gegnerische in die eigene Basis bringen. Es wurden mehrere Tests durchgeführt. Nicht computerspielende Probanden, schnitten weniger gut ab.

Neuronale Plastizität: Dieser Begriff definiert, dass Gehirntraining durch zocken möglich ist. Eine Stunde täglich reicht aus um die graue Substanz im Gehirn wachsen zu lassen, ebenso die Leistungsfähigkeit. Und das Nachhaltig.

Zitat „Computerspieler können visuelle Informationen schneller verarbeiten und 30% mehr Objekte wahrnehmen als andere Menschen.“ – Daphne Bavelier

Gehirnregionen wie der Hippocampus und präfrontale Cortex lieben Videogames. Sie sind für das Gedächtnis und die „exekutiven“ Funktionen des Gehirns zuständig. Bestimmen also die Fähigkeit zur Selbstbeherrschung, Zielstrebigkeit und strategischen Planung. Diese Regionen können wie ein Muskel trainiert werden. Dazu legt man nicht die Hand an Gewichte, sondern an den Controller oder Maus und Tastatur. Actiongames erhöhen die Detailwahrnehmung und Reaktionsgeschwindigkeit. Echtzeit Strategiespiele verbessern das Multitasking und 3D Puzzles die räumliche Wahrnehmung. Prosoziale Spiele verstärken die Bereitschaft mit anderen Menschen zu kooperieren. Games von Blizzard Entertainment laufen ganz nach dem Motto „Easy to learn, hard to master“. Je größer die Herausforderung, desto besser der Lernerfolg.

Virtuelle Trainingseinheiten unter der Lupe

Actiongames

In Battlefield, Counter Strike oder Overwatch muss man in Sekundenbruchteilen reagieren. Ist der Pixelhaufen ein Freund oder Feind? Ständig werden Spieler identifiziert, welche plötzlich um die Ecke kommen. Das steigert die Detailwahrnehmung und Reaktionsgeschwindigkeit. Auch wird der Spieler mit Punkten, Level Ups oder Items belohnt. Das stärkt ebenfalls den Lernprozess.

Echtzeit Strategie

Der Spieler befehligt eine riesige Armee. Nebenbei muss er sich um die Wirtschaft (Rohstoffe, Wohlbefinden der Bürger) kümmern. Und Zeitgleich kann er noch angegriffen werden.
Hier ist Multitasking und kognitive Flexibilität gefragt.

3D Puzzle

Hier ist räumliches Vorstellungsvermögen gefragt. Zu den bekanntesten 3D Puzzles gehört Portal. Hier hantiert der Spieler mit dreidimensionalen Objekten um das Ziel zu erreichen. Diese Rätsel erfordern komplexes Denken und nehmen viel Zeit in Anspruch.

Prosoziale Spiele

Der Spieler wird vor ein Problem gestellt. Dieses kann er nur lösen, indem er mit anderen Spielern friedlich kooperiert. Zum Beispiel um einen Streit zu lösen. Dabei werden die selben Gehirnregionen angesprochen, wie in realen Kooperationen.

Neben dem Gehirntraining, werden Videospiele auch zur Heilung von Krankheiten genutzt. Wie mit Virtual Reality Lähmungen bekämpft werden können und mehr bald in „Videospiele: Heilmittel der Zukunft?“.

Quelle: Welt Der Wunder Zeitschrift 10/16